„Der Weg zur finanziellen Freiheit“ ist Bodo Schäfers Geldratgeber von 1998: 14 Kapitel, die bei deinen Glaubenssätzen über Geld anfangen, dann Schulden, Sparen und Zinseszins durchgehen und bei drei Stufen enden: finanzieller Schutz, finanzielle Sicherheit, finanzielle Freiheit. Am bekanntesten ist das Gans-Konto. 10 Prozent jedes Gehalts gehen per Dauerauftrag auf ein Konto, das du nie anrührst, dazu die Hälfte jeder Gehaltserhöhung.
Was in den üblichen Zusammenfassungen fehlt, ist die Nachprüfung. Schäfer rechnet mit 12 Prozent Rendite im Jahr, und an dieser Zahl hängt fast jedes Versprechen im Buch. Wir haben seine Beispiele mit echten Börsendaten seit 1999 nachgerechnet und die Studienlage zu seinen Regeln zusammengetragen. Am Ende steht ein eigener Teil zu „Ein Hund namens Money“, dem Kinderbuch, in dem ein sprechender Labrador dasselbe System einem Mädchen erklärt.
Transparenz vorweg: Bestellst du eines der Bücher über unsere Buchseiten oder buchst dort eines von Schäfers Video-Coachings, bekommen wir eine Provision. Am Preis ändert das für dich nichts, an unserer Einschätzung auch nicht.
Worum es in „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ geht
Schäfer trennt scharf zwischen hohem Einkommen und Reichtum. „Reich sind Sie erst dann, wenn Sie von Ihrem Kapital leben können, ohne arbeiten zu müssen“, heißt es im Kapitel über das Einkommen. Wer kein Kapital hat, das für ihn arbeitet, bleibt selbst die Maschine, die das Geld verdient: „Solange Sie keine Geldmaschine haben, sind Sie die Geldmaschine, ganz gleich, wie viel Sie verdienen.“
Der Aufbau folgt dieser Logik. Vor dem ersten Kapitel steht ein Fragebogen zum Ankreuzen, etwa „Sparen Sie wenigstens 10 bis 20 Prozent Ihres Einkommens pro Monat?“. Der erste Teil, „Die Grundlagen“, handelt von Zielen, Verantwortung und dem, was du wirklich über Geld denkst. Der zweite und längere Teil, „Der praktische Leitfaden zur ersten Million“, wird konkret: Schulden, Einkommen, Sparen, Zinseszins, Anlage, die drei Stufen, ein Coach, und am Ende das Spenden. Die Kapitel schließen mit einer Zusammenfassung unter der Überschrift „Die Power-Ideen auf den Punkt gebracht“, dazwischen stehen immer wieder „Power-Tipps“.
Das Titelversprechen relativiert Schäfer übrigens selbst. In der Einführung der Taschenbuchausgabe steht: Wer einen Prozentsatz spart, das Geld anlegt, sein Einkommen erhöht und von jeder Gehaltserhöhung etwas zurücklegt, werde „in fünfzehn bis zwanzig Jahren ein Vermögen von einer halben bis einer Million besitzen“. Für die sieben Jahre müsse man „möglichst viele Strategien dieses Buches anwenden“. Das ist realistischer als der Untertitel. Schäfers Werdegang und seine übrigen Bücher stehen in unserer Zusammenfassung der „Gesetze der Gewinner“.
| Eckdaten | Stand September 2026 |
|---|---|
| Erstausgabe | Juni 1998, Campus Verlag, 308 Seiten, Untertitel „In sieben Jahren die erste Million“ |
| Taschenbuch | dtv, seit April 2003 als „Aktualisierte Neuausgabe“, 320 Seiten, 12 Euro; Untertitel laut Verlag „Die erste Million“, auf dem Innentitel „Ihre erste Million in 7 Jahren“ |
| Gratis-Ausgabe | Ausgabe der Bodo Schäfer Akademie mit dem Untertitel „Ihre erste Million in 7 Jahren“, rund 270 bis 280 Seiten |
| Bestseller | Platz 1 der Focus-Wirtschaftsbestseller im August 1999, Platz 2 der Spiegel-Sachbuchliste im September 2000 |
| Auflage | 2,5 bis rund 3 Millionen bis 2002 laut Spiegel, Welt und Focus; „über 10 Millionen“ nennt nur der Autor |
| Übersetzungen | 22 Sprachen laut Spiegel (2002); der Autor spricht von über 30 |
Quellen: Deutsche Nationalbibliothek, dtv, Focus 13.09.1999 und Spiegel 36/2000 im Internet Archive, Spiegel 51/2002, Die Welt 30.11.2002, Focus 34/2002. Die Seitenzahl der Gratis-Ausgabe schwankt je nach Angabe von Händler und Bestellseite.
Der Weg zur finanziellen Freiheit
Schäfers erstes Buch und bis heute sein bekanntestes. Der erste Teil ist Motivation und Selbstprüfung, der zweite und längere ein Werkzeugkasten mit Sparregeln, einer Schuldenregel, Zinseszinstabellen und einem Plan in drei Stufen. Geschrieben in der Sie-Form, mit vielen Beispielfiguren wie Heidi Hamster und Siegfried Sorglos.
Das nimmst du mit: Richte den Dauerauftrag auf das Gans-Konto für den Tag nach dem Gehaltseingang ein. Wartest du bis zum Monatsende, sparst du nur, was zufällig übrig ist, und das ist nach Schäfer „in aller Regel nicht sehr viel“.
Zusammenfassung: alle 14 Kapitel auf einen Blick
Die Kapiteltitel entsprechen dem Inhaltsverzeichnis der dtv-Ausgabe. In der Campus-Fassung hießen Kapitel 10 und 11 noch „Aktien: Der Weg, um Geld zu züchten“ und „Fonds: Lassen Sie andere für Sie Geld züchten“, so steht es im Inhaltsverzeichnis der Lizenzausgabe von 2001. Nach dem Börsencrash von 2000 bis 2002 wurden sie für das Taschenbuch umbenannt.
| Nr. | Kapitel | Worum es geht |
|---|---|---|
| 1 | Was wollen Sie wirklich? | Träume, Werte und Ziele klären. Du sollst eine Geldmaschine besitzen wollen, statt selbst eine zu sein. |
| 2 | Was heißt Verantwortung? | Das Orangen-Prinzip: Aus einer Orange kommt immer Orangensaft, egal wer drückt. Wie-Fragen statt Warum-Fragen, raus aus der Komfortzone. |
| 3 | Ist eine Million ein Wunder? | Ein Wunder, das man baut, sagt Schäfer. Es geschieht auf fünf Ebenen und braucht Risikobereitschaft, Selbstwertgefühl und ein Erfolgsjournal. |
| 4 | Warum sind nicht mehr Menschen wohlhabend? | Weil es genauso leicht ist, arm zu bleiben. Ein Traumalbum anlegen, 110 Prozent geben, an Stärken arbeiten, einen Coach suchen. |
| 5 | Was denken Sie wirklich über Geld? | Glaubenssätze wie „Geld verdirbt den Charakter“ ankreuzen, prüfen und austauschen. Hier steht der Rat, immer 500 Euro in bar dabeizuhaben. |
| 6 | Schulden | Konsumschulden meiden, dreizehn Tipps zum Abbau, die 50/50-Regel: freies Geld halb tilgen, halb sparen. |
| 7 | Wie Sie Ihr Einkommen erhöhen | Bezahlt wird der Wert, den du in den Markt bringst. Einkommensformel mit fünf Bausteinen, Spezialisierung auf eine Nische. |
| 8 | Sparen: Sich selbst bezahlen | Die Fabel von der Gans, die goldene Eier legt. 10 Prozent aufs Gans-Konto, 50 Prozent jeder Gehaltserhöhung dazu. |
| 9 | Das Wunder des Zinseszinses | Zeit, Rendite und Einsatz entscheiden. Tabellen mit 7, 12, 15 und 20 Prozent, die Faustregel 72. |
| 10 | Warum Sie Geld züchten müssen | Sparen wie der Pharao in den fetten Jahren, mindestens 10, besser 20 Prozent, und das Geld gewinnbringend anlegen. Börsenzyklen einplanen, Investor statt Spekulant. |
| 11 | Grundsätze für Investoren und Anleger | Streuen, Sachwerte schlagen Geldwerte: eine Hälfte in Geldwerte, die andere in Sachwerte wie Aktien, wer keine Zeit hat, nimmt Aktienfonds. Das eigene Haus gilt als Luxus. |
| 12 | Finanzieller Schutz, finanzielle Sicherheit und finanzielle Freiheit | Drei Finanzpläne, drei Kessel, die nacheinander volllaufen. Kapitalbedarf: Monatsbetrag mal 150. |
| 13 | Der Coach und das Experten‑Netzwerk | Einen Mentor finden, was du ihm bieten kannst, jeden Monat eine erfolgreiche Person kennenlernen. |
| 14 | Sie können Geld säen | Einen festen Teil des Einkommens spenden, nach dem alten Brauch des Zehnten. |
Quellen: Inhaltsverzeichnis der dtv-Ausgabe (Deutsche Nationalbibliothek, dtv-Leseprobe), Kapitelinhalte aus der Volltextsuche der Akademie-Ausgabe von 2023 bei Google Books. Verdichtungen, keine Zitate, außer wo Anführungszeichen stehen.
Die Werkzeuge im Detail
Spannender als die Kapitelfolge ist, was Schäfer dich konkret tun lässt. Fünf Werkzeuge tragen das Buch, drei weitere laufen nebenher.
Das Gans-Konto und die halbe Gehaltserhöhung
Die Fabel ist alt: Ein Bauer besitzt eine Gans, die jeden Tag ein goldenes Ei legt, und schlachtet sie aus Gier, um an alle Eier auf einmal zu kommen. Schäfer macht daraus eine Kontoregel. „Richten Sie einen Dauerauftrag von Ihrem normalen Konto auf Ihr Gans-Konto ein. Lassen Sie zu jedem 1. eines Monats 10 Prozent Ihres Gehalts auf Ihr Gans-Konto fließen.“ Das Geld dort rührst du nie an, du lebst später nur von den Erträgen, den goldenen Eiern. Mit etwas mehr Disziplin dürfen es auch 20 Prozent sein. Und 50 Prozent jeder Nettogehaltserhöhung wandern ebenfalls auf die Gans, so gewöhnst du dich nur an die halbe Erhöhung.
Die Regel, zuerst dich selbst zu bezahlen, stammt nicht von Schäfer. George S. Clason hat sie 1926 in „Der reichste Mann von Babylon“ beschrieben, ein Zehntel von jedem Verdienst behalten, und Schäfer zitiert die Babylonier im Buch selbst. Seine Leistung ist die Übersetzung in einen Dauerauftrag. Ein „Spaßkonto“ taucht in der Akademie-Ausgabe von 2023 laut Volltextsuche übrigens nicht auf, es stammt aus den „Gesetzen der Gewinner“.
Die 50/50-Regel für Schulden
„Konsumschulden sind dumm, destruktiv, demotivierend, energieraubend und enden oft in einem Teufelskreis.“ Trotzdem rät Schäfer nicht, jeden freien Euro in die Tilgung zu stecken. Sein Rechenbeispiel: 3.000 Euro Einkommen, 2.500 Euro zum Leben, bleiben 500 Euro. Davon gehen 250 Euro in die Tilgung, 250 Euro auf die Gans. Wer nur tilgt, hat am Ende null, und null ist kein Ziel, das einen motiviert. Dazu kommen dreizehn praktische Tipps, etwa offene Forderungen bei anderen eintreiben, offen mit den Gläubigern reden und vor jeder Ausgabe fragen, ob sie wirklich nötig ist. Kredite für die eigene Firma sind dagegen erlaubt.
Drei Stufen, drei Kessel und der Faktor 150
Kapitel 12 ist das eigentliche Planungskapitel. Schäfer rechnet mit zwei Figuren, die beide 2.500 Euro netto verdienen. Paul Prasser gibt fast alles aus und braucht für einen Notgroschen von zehn Monaten 23.750 Euro. Heidi Hamster lebt von 1.750 Euro und kommt mit 17.500 Euro aus. Heidi braucht also 6.250 Euro weniger und hat jeden Monat 750 Euro übrig, die sie zurücklegen kann.
Schäfers drei Stufen, als Kessel gedacht
Schutz
Ein Polster für Jobverlust, Krankheit oder Pleite. Bargeld, Safe, Sparplan.
Sicherheit
Kapitalerträge decken deine Grundkosten. Ein Teil in Geldwerten, ein Teil in Sachwerten.
Freiheit
Die Erträge bezahlen auch deine Träume. Erst hier kommen riskantere Anlagen dazu.
↻ Erst wenn ein Kessel voll ist, fließt das Geld in den nächsten. So riskierst du laut Schäfer nie deine Sicherheit.
Für die Stufen zwei und drei gibt Schäfer eine Faustformel an: Der Betrag, den du im Monat brauchst, mal 150 ergibt das nötige Kapital. Für 2.000 Euro im Monat also 300.000 Euro. Er begründet das mit „8 Prozent netto pro Jahr“. Wie diese Zahl heute aussieht, steht weiter unten, sie ist die schwächste Stelle des Buches.
Zinseszins und die Faustregel 72
Das Zinseszinskapitel lebt von Tabellen. 100 Euro im Monat über 35 Jahre werden bei 7 Prozent zu 166.722 Euro, bei 12 Prozent zu 524.785 Euro, bei 15 Prozent zu über einer Million. Schäfers Botschaft: „Wenn Sie eine 3-mal so hohe Rendite haben, bekommen Sie fast 30-mal so viel heraus.“ Schon 12 statt 7 Prozent verdreifachen das Ergebnis, rechnerisch stimmt das. Die Faustregel dazu: 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt die Jahre, bis sich dein Geld verdoppelt. Bei 6 Prozent sind es zwölf Jahre, exakt 11,9. Die Regel taugt, die Zinssätze in den Tabellen sind ein anderes Thema.
Glaubenssätze und der 500-Euro-Schein
In Kapitel 5 kreuzt du Sätze an wie „Geld verdirbt den Charakter“ oder „Ich hätte niemals die Disziplin, um zu sparen“, trennst dann die Beweise von bloßen Meinungen und tauschst die Meinung gegen eine, die dir nützt. Im Schuldenkapitel legt er nach: „Die praktischen Tipps anwenden zu wollen, ohne die Glaubenssätze zu verändern, ist wie gegen den Wind zu spucken.“ Die Übung, die hängen bleibt: Trag immer mindestens 500 Euro in bar bei dir, um „Wohlstandsbewusstsein“ zu entwickeln. Die Bestellseite macht daraus den 500-Euro-Schein. In der Fassung von 1998 waren es tausend Mark, worüber sich die FAZ schon im Jahr 2000 lustig gemacht hat.
Einkommen, Coach und Spenden
Die drei übrigen Werkzeuge sind weicher. Beim Einkommen verspricht Schäfer, wer an den fünf Bausteinen seiner Einkommensformel arbeite, verdiene „innerhalb eines Jahres“ mindestens 20 Prozent mehr. Die aktuelle Bestellseite macht daraus „in 3 Monaten“. Beim Coach wird er grundsätzlich: „Der wichtigste Grundstein für Reichtum ist ein Coach.“ Gemeint ist in Kapitel 13 vor allem ein Mentor, den du dir selbst suchst. Und am Ende steht das Spenden, der zehnte Teil des Einkommens, als Beweis, dass du mit Geld umgehen kannst.
Schäfers Zahlen, mit echten Daten nachgerechnet
Jetzt zu den Zahlen. In der Akademie-Ausgabe von 2023 schreibt Schäfer, du bekämst „über 10 Jahre gesehen durchschnittlich 12 Prozent und mehr“, und für die Stufe Sicherheit empfiehlt er „sichere Anlagen, die Ihnen längerfristig im Durchschnitt 12 Prozent Rendite bringen“. Schon der Klappentext von 1998 versprach „mindestens 12 Prozent Zinsen“. Was ist aus diesem Versprechen geworden?
Der Test: 100 Euro im Monat ab 1999
Angenommen, jemand hat das Buch 1998 gelesen und Schäfers Grundrat befolgt: jeden Monat Geld in einen breit gestreuten Aktienfonds. Wir haben das mit den echten Monatsdaten des Aktienindex MSCI World in Euro nachgerechnet, der große Firmen aus Industrieländern enthält, 100 Euro zu jedem Monatsanfang, von Januar 1999 bis Dezember 2025.
| Sparplan 100 € im Monat, 1999 bis 2025 | Wert Ende 2025 |
|---|---|
| Eingezahlt, 324 Raten | 32.400 € |
| MSCI World, ohne Kosten und Steuern | 131.355 € |
| MSCI World, mit 1,5 % Fondskosten im Jahr | 102.549 € |
| Schäfers 12 % pro Jahr | 216.231 € |
Eigene Rechnung mit den Monatsendständen des MSCI World in Euro (MSCI). Für 1999 und 2000 gibt es den Euro-Index nur ohne Dividenden, ab 2001 mit Nettodividenden, das Ergebnis ist also leicht zu niedrig. Kosten von 1,5 % entsprechen einem typischen aktiven Fonds, ETF-Kosten liegen meist darunter.
Das Ergebnis ist zweischneidig. Schäfers Grundrat hat funktioniert: Aus 32.400 Euro wurden gut 131.000, und das durch den Dotcom-Crash und die Finanzkrise hindurch. Seine Zahl hat trotzdem nicht gestimmt. Mit 12 Prozent wären es 65 Prozent mehr gewesen. Dass der Sparplan mit 9,1 Prozent im Jahr sogar besser dasteht als der Index selbst mit rund 6,9 Prozent, ist Glück der Reihenfolge. Die schwachen Jahre bis 2008 trafen nur wenig eingezahltes Geld, die starken Jahre danach fast das ganze. Mit denselben Monatsrenditen in umgekehrter Reihenfolge wären es nur 5,0 Prozent im Jahr gewesen. Der DAX schaffte von Ende 1998 bis Ende 2025 laut Deutschem Aktieninstitut 6,1 Prozent im Jahr, über 50 Jahre im Schnitt 8,6 Prozent.
Noch etwas zeigt die Rechnung. Ende 2002 war der Sparplan 3.200 Euro wert, eingezahlt waren 4.800. Ende 2008, nach zehn Jahren Sparen, stand er bei 8.617 Euro, eingezahlt waren 12.000. Wer damals verkauft hätte, hätte mit Verlust verkauft und die 131.000 Euro von Ende 2025 nie gesehen.
Was 10 Prozent eines normalen Einkommens bringen
Die zweite Frage ist, was Schäfers 10-Prozent-Regel für jemanden mit mittlerem Einkommen bedeutet. Das mittlere verfügbare Einkommen pro Person, nach Haushaltsgröße gewichtet, lag in Deutschland zuletzt bei 28.891 Euro im Jahr, rund 2.408 Euro im Monat (Median, Destatis). 10 Prozent davon sind 241 Euro.
| 241 € im Monat bei | nach 7 Jahren | nach 15 Jahren | nach 30 Jahren |
|---|---|---|---|
| Schäfers 12 % im Jahr | 30.749 € | 113.621 € | 735.535 € |
| 7 % im Jahr | 25.821 € | 74.976 € | 281.838 € |
| 5 % im Jahr | 24.082 € | 63.823 € | 196.506 € |
| Festgeld zu 2,22 % | 21.863 € | 51.330 € | 122.683 € |
| ohne Zinsen | 20.244 € | 43.380 € | 86.760 € |
Eigene Rechnung, monatliche Einzahlung, vor Kosten, Steuern und Inflation. Einkommen: Median des Nettoäquivalenzeinkommens 2025 (Destatis, EU-SILC). Festgeld: Durchschnittszins neuer Einlagen bis ein Jahr, Juli 2026 (MFI-Zinsstatistik).
Bei 7 Prozent kommt ein Normalverdiener mit Schäfers Sparquote nach 30 Jahren auf rund 280.000 Euro. Das ist viel Geld, aber keine Million. Mit 12 Prozent wären es mehr als zweieinhalbmal so viel, die Annahme bestimmt also fast das ganze Ergebnis. Und die erste Million in sieben Jahren? Bei 12 Prozent bräuchtest du dafür eine Sparrate von rund 7.800 Euro im Monat, bei 7 Prozent über 9.300 Euro. Gerd Kommer und Alexander Weis haben eine andere Rechnung aufgemacht: Wer mit 100.000 Euro startet und nichts nachschießt, bräuchte 39 Prozent Rendite im Jahr nach Steuern und Kosten.
Einen Hebel hat Schäfer aber richtig erkannt, die halbe Gehaltserhöhung. Steigt dein Nettogehalt um 3 Prozent im Jahr und sparst du jedes Mal die Hälfte des Zuwachses, wächst deine Sparquote über die Jahre auf rund ein Drittel. Bei 7 Prozent Rendite kommst du so nach rund 32 Jahren auf eine Million, statt nach 47 Jahren mit den festen 241 Euro.
Wie viel Geld braucht man, um davon zu leben?
Bleibt der Faktor 150. Wer von Kapitalerträgen leben will, entnimmt nach Schäfers Formel jedes Jahr 8 Prozent seines Vermögens. Die Forschung ist hier deutlich vorsichtiger. William Bengen hat 1994 mit US-Daten gezeigt, dass eine Anfangsentnahme von 4 Prozent, danach mit der Inflation angepasst, ein gemischtes Depot 30 Jahre lang getragen hätte, die bekannte 4-Prozent-Regel. Eine Studie von 2025 mit Renditedaten aus 38 Industrieländern kommt für ein 65-jähriges Paar, das ein Pleiterisiko von 5 Prozent akzeptiert, auf nur 2,31 Prozent.
| Regel | Entnahme pro Jahr | 2.000 € netto im Monat | 3.000 € netto im Monat |
|---|---|---|---|
| Schäfers Faktor 150 | 8 % netto | 300.000 € | 450.000 € |
| 4-Prozent-Regel (Bengen) | 4 % | 654.000 bis 728.000 € | 984.000 bis 1,10 Mio. € |
| 38-Länder-Studie (2025) | 2,31 % | 1,13 bis 1,26 Mio. € | 1,70 bis 1,90 Mio. € |
Eigene Rechnung. Schäfers Wert wie im Buch, er setzt 8 % nach Steuern voraus. Die übrigen Werte mit Abgeltungsteuer und Soli auf den Gewinnanteil der Entnahme aus einem Aktien-ETF (erst Teilfreistellung 30 %, dann Sparer-Pauschbetrag 1.000 €, ohne Kirchensteuer); die Spanne reicht von 50 % bis 100 % Gewinnanteil. Ohne gesetzliche Rente und Krankenversicherung.
Nach heutiger Studienlage brauchst du also etwa das Doppelte bis Dreieinhalbfache von Schäfers Kapitalzahl, mit Steuern gut das Vierfache. Schon 1998 war die Rechnung ehrgeizig: Deutsche Anleihen brachten damals im Jahresmittel rund 4,5 Prozent, die „mindestens 12 Prozent Zinsen“ aus dem Klappentext lagen beim 2,7-Fachen. Bei der Inflation war Schäfer dagegen eher zu vorsichtig. Das Buch setzt 3 Prozent an und hält die wahre Rate sogar für höher, tatsächlich lag sie von 1998 bis 2025 im Schnitt bei 1,9 Prozent.
So liest du die Zahlen im Buch: Nimm Schäfers Tabellen als Anschauung, wie stark Zeit und Rendite zusammenwirken, und rechne deinen eigenen Plan mit 5 bis 7 Prozent vor Kosten. Für das Leben von Kapitalerträgen setz eher das 25- bis 43-Fache deines Jahresbedarfs an statt das 12,5-Fache, Steuern noch nicht eingerechnet.
Klare Abgrenzung, weil es um dein Geld geht: Unsere Rechnungen zeigen Vergangenheitswerte oder rechnen mit angenommenen Renditen. Sie sind keine Anlageberatung und keine Prognose, für deinen Plan zählen deine Kosten, deine Steuern und dein Zeitraum.
Was die Forschung zu Schäfers Regeln sagt
Die Renditen halten nicht, was das Buch verspricht. Bei den Verhaltensregeln sieht es besser aus. Für fünf davon gibt es brauchbare Studien.
Automatisch sparen: gut belegt
Dass Sparen per Automatik funktioniert, gehört zu den robustesten Befunden der Verhaltensökonomie. Als ein großes US-Unternehmen neue Mitarbeiter automatisch in die Betriebsrente aufnahm, mit jederzeitiger Austrittsmöglichkeit, sparten 86 Prozent mit, vorher waren es in einer vergleichbaren Gruppe 37 Prozent (Madrian und Shea, 2001). Schäfers Trick mit der Gehaltserhöhung hat ein Gegenstück im Programm „Save More Tomorrow“, das die Sparquote der Teilnehmer in gut drei Jahren von 3,5 auf 13,6 Prozent hob (Thaler und Benartzi, 2004), mehr dazu in unserem Post zu den Gesetzen der Gewinner.
Die Einschränkung: Fast alle Studien betreffen Betriebsrenten mit Austrittsoption, keinen selbst eingerichteten Dauerauftrag. Und Automatik sichert das Sparen, nicht die Qualität der Anlage.
Getrennte Töpfe: gestützt, mit einem Haken
Gans-Konto, Traumdosen, Kessel: Schäfer teilt Geld ständig in Töpfe. Der Verhaltensökonom Richard Thaler nennt das Mental Accounting, und es lässt sich nutzen. In einem Feldexperiment mit 146 Bauarbeitern in Indien sparten diejenigen, die ihr Sparbudget in zwei Umschlägen statt in einem bekamen, in 14 Wochen im Schnitt 414 statt 241 Rupien (Soman und Cheema, 2011). Fotos der eigenen Kinder auf den Umschlägen erhöhten das Sparen zusätzlich, ein enger Verwandter von Schäfers Traumalbum.
Der Haken: Viele Menschen halten gleichzeitig ein schlecht verzinstes Sparkonto und teure Kreditkartenschulden (Gross und Souleles, 2002). Wer eisern auf die Gans spart und dabei im Dispo steht, zahlt drauf.
Die 50/50-Regel: psychologisch klug, rechnerisch teuer
Rechnerisch ist es fast immer am günstigsten, zuerst die teuerste Schuld zu tilgen. Dispo- und Überziehungskredite kosteten im Juli 2026 im Schnitt 9,3 Prozent, neues Festgeld brachte 2,2 Prozent (MFI-Zinsstatistik). Jeder Euro, der dann auf der Gans statt in der Tilgung landet, kostet also Geld.
Direkt untersucht ist Schäfers Regel nicht, ein verwandter Befund stützt aber den Gedanken dahinter. Bei Kunden eines US-Schuldenregulierers sagte der Anteil abgeschlossener Schuldenkonten voraus, wer später schuldenfrei wurde, egal wie hoch die Beträge waren. Die Höhe der abgelösten Summen sagte darüber hinaus nichts voraus (Gal und McShane, 2012). Sichtbare Etappen halten Menschen offenbar bei der Stange. Eine sinnvolle Zwischenlösung: erst ein kleiner Notgroschen, damit der nächste kaputte Kühlschrank nicht wieder im Dispo landet, dann alles Freie in die teuerste Schuld.
Das Traumalbum: Vorsicht beim Schwelgen
Dass konkrete, anspruchsvolle Ziele die Leistung steigern, fand schon ein Überblick von Edwin Locke und Kollegen 1981: In 90 Prozent der Studien wirkten sie ganz oder teilweise. Noch deutlicher helfen Wenn-dann-Pläne, das zeigt eine Auswertung von 94 Tests (Gollwitzer und Sheeran, 2006). Beim Traumalbum ist dagegen Vorsicht angebracht. Die Psychologin Gabriele Oettingen hat gezeigt, dass schwelgerische Zukunftsfantasien mit weniger Einsatz und schlechteren Ergebnissen einhergehen (Oettingen und Mayer, 2002), in einem späteren Experiment raubten sie den Teilnehmern sogar Energie (Kappes und Oettingen, 2011). Wirksam wird das Wunschbild erst zusammen mit einem ehrlichen Blick auf das Hindernis und einem konkreten Plan.
Die oft zitierte Yale-Studie, nach der die 3 Prozent eines Jahrgangs mit schriftlichen Zielen später reicher waren als alle anderen zusammen, hat es laut der Yale-Bibliothek nie gegeben.
Glaubenssätze über Geld: nur ein Zusammenhang
Dass Überzeugungen über Geld mit der finanziellen Lage zusammenhängen, ist belegt. In der Pilotstudie zum Klontz Money Script Inventory mit 422 Befragten hingen drei von vier Mustern, etwa Geld meiden oder Geld als Statussymbol, mit Einkommen und Vermögen zusammen (Klontz und andere, 2011). Ob die Überzeugung die Lage verursacht oder die Lage die Überzeugung, kann eine solche Befragung aber nicht zeigen. Eine Studie, die belegt, dass ein Austausch von Glaubenssätzen das Vermögen erhöht, haben wir nicht gefunden.
12 Prozent mit Fonds: nicht gestützt
Eine der wichtigsten Langfrist-Datenreihen, das Global Investment Returns Yearbook von Dimson, Marsh und Staunton, weist für US-Aktien von 1900 bis 2025 nominal 9,8 Prozent im Jahr aus, nach Inflation 6,6 Prozent, und die USA waren einer der erfolgreichsten Märkte der Welt. Das zweite Problem ist die Fondsauswahl. Schäfer empfiehlt aktiv gemanagte Fonds, die in der Vergangenheit gut abgeschnitten haben. Laut der SPIVA-Auswertung von S&P lagen über zehn Jahre bis Ende 2025 rund 98 Prozent der aktiven globalen Aktienfonds in Euro hinter ihrem Vergleichsindex.
Was du aus der Studienlage mitnimmst: Schäfers Verhaltensregeln sind besser als seine Anlageregeln. Dauerauftrag, getrennte Töpfe und die halbe Gehaltserhöhung halten der Forschung stand. Das Traumalbum hilft nur mit einem Plan dazu. Bei Schulden tilgst du zuerst die teuerste, und die Rendite setzt du deutlich tiefer an als Schäfer.
„Ein Hund namens Money“: das Kinderbuch zum Geldbuch
Ein Jahr nach dem Geldratgeber erschien 1999 im Münchner Lentz Verlag „Ein Hund namens Money“. Parallel kam derselbe Stoff unter dem Titel „Money oder das 1 x 1 des Geldes“ bei Herbig heraus. Diese Fassung stand im September 2000 auf Platz 13 der Spiegel-Sachbuchliste, in derselben Woche, in der „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ auf Platz 2 lag. Seit 2019 gibt es das Taschenbuch bei dtv mit dem Untertitel „Spielerisch zu Erfolg und Wohlstand“. 2021 führte eine neue chinesische Ausgabe die Kinderbuchcharts in China an, mit über 500.000 verkauften Exemplaren in sechs Monaten.
Zusammenfassung der Handlung
Kiras Familie ist gerade in ein Haus gezogen, das teurer wird als geplant. Vor der Tür findet Kira, zu Beginn elf, einen verletzten weißen Labrador. Als der Vater am Frühstückstisch „Money, Money, Money“ seufzt, springt der Hund auf, und so heißt er Money. Nach einer gemeinsamen Rettung aus einem Fluss beginnt er zu sprechen, als Geheimnis, nur zu Kira und nur über Geld. Seine erste Aufgabe: zehn Gründe aufschreiben, warum sie wohlhabend werden will. Kira kreist einen Austausch in die USA ein, einen Laptop und den Wunsch, den Eltern bei ihren Schulden zu helfen. Über 18 Kapitel verdient sie Geld mit dem Ausführen fremder Hunde, lernt vom Börsenmillionär Herrn Goldstern die Gans kennen und gründet mit der älteren Frau Trumpf und ihren Freunden einen Investmentclub namens „Geldmagier“. Am Ende hat Kira ihren Laptop, die Eltern haben ihre Finanzen im Griff, und Money hört auf zu sprechen.
Die Regeln des Buches
Wir zitieren nach der Akademie-Ausgabe von 2013. Die wichtigste Regel ist die Aufteilung. Kira übernimmt Goldsterns eigene Quote: „Ich werde auch fünfzig Prozent von allem für meine Gans weglegen. Vierzig Prozent werde ich für meine Ziele in die Traumdosen legen und zehn Prozent gebe ich aus.“ Goldstern sagt, schon wer immer 10 Prozent für seine Gans weglege, werde „auf jeden Fall wohlhabend“. Für jeden Traum gibt es eine eigene Dose, beschriftet mit dem Ziel.
Überraschend konkret wird das Buch bei der Geldanlage. Frau Trumpf erklärt Aktien, Fonds, Volatilität und die 72er-Formel, und der Club kauft einen Dachfonds. Als die Kurse fallen, verkaufen die Kinder nicht, sondern kaufen nach, und Herr Goldstern rät, immer eine Reserve zu halten, etwa auf dem Tagesgeldkonto. Die Zahlen sind allerdings dieselben wie im Erwachsenenbuch: „Acht bis zwölf Prozent sind im Schnitt pro Jahr möglich“, sagt Frau Trumpf, und das Tagesgeld bringt in dieser Ausgabe noch „ca. 3,5 %“.
Dasselbe System, zwei Bücher
| Werkzeug | Der Weg zur finanziellen Freiheit | Ein Hund namens Money |
|---|---|---|
| Gans | 10 % vom Gehalt per Dauerauftrag, 50 % jeder Gehaltserhöhung | 50 % von allem, was Kira verdient; 10 % reichen laut Goldstern |
| Ziele | Traumalbum, drei Monate lang immer wieder ansehen | Zehn Gründe, drei Ziele, Traumalbum und 40 % in die Traumdosen |
| Erfolgsjournal | Täglich eintragen, was gelungen ist | Mindestens fünf Erfolge am Tag, zehn Minuten am Morgen |
| Schulden | 50/50-Regel, dreizehn Tipps | Vier Regeln für die Eltern, darunter 50/50 und ein Zettel in der Geldbörse: „Ist das wirklich notwendig?“ |
| Anlage | Geldwerte und Sachwerte, Aktienfonds, 12 % | Investmentclub, Dachfonds, Reserve im Tagesgeld, 8 bis 12 % |
| Faustregeln | 72er-Regel für die Verdopplung | 72er-Formel, dazu 72 geteilt durch die Inflation, und die 72‑Stunden‑Regel |
Quellen: dtv-Ausgabe und Akademie-Ausgabe 2023 von „Der Weg zur finanziellen Freiheit“, Akademie-Ausgabe 2013 von „Ein Hund namens Money“.
Wirkt Finanzbildung für Kinder?
Ja, aber vor allem auf das Wissen. In einer großen Auswertung von 76 randomisierten Studien mit über 160.000 Teilnehmern war der Wissenszuwachs bei Kindern unter 14 Jahren am größten, der Effekt auf ihr tatsächliches Verhalten dagegen am kleinsten (Kaiser, Lusardi, Menkhoff und Urban, 2022). Ein Buch allein ist dabei eine kleine Dosis. Mehr bewirken offenbar die Eltern: Laut einer Auswertung niederländischer Haushaltsdaten sparen Erwachsene, die als Kind von ihren Eltern zum Sparen angeleitet wurden, mit 16 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit und rund 30 Prozent mehr. Am besten wirkte die Kombination aus Taschengeld, Kontrolle und Rat (Bucciol und Veronesi, 2014).
So nutzt du das Buch mit Kindern: Lies es mit deinem Kind, ein Kapitel pro Abend. Nach Kapitel 7 teilt ihr das nächste Taschengeld nach Kiras Schlüssel auf, drei Gläser reichen. Und wenn ihr die Zahlen des Investmentclubs nachrechnet, dann mit 5 bis 7 Prozent statt mit 8 bis 12.
Ein Hund namens Money
Eine Geschichte in 18 Kapiteln, in der die Übungen nicht am Kapitelende stehen, sondern in den Gesprächen zwischen Kira und Money. Die Geschichte trägt: Einbrecher, ein Goldschatz im Keller, eine Bank, die den Eltern den Kredit kündigen will. Dazwischen stecken dieselben Regeln wie im Erwachsenenbuch, nur einfacher erklärt. Wörter wie Aktie, Fonds oder Inflation erklärt ein Anhang am Ende.
Das nimmst du mit: Lies es auch ohne Kinder. Kiras Geschichte erklärt die Gans ohne eine einzige Tabelle, und danach liest sich das Erwachsenenbuch deutlich leichter.
Wo die Bücher übertreiben
Vier Schwächen, und zwei davon betreffen die Zahlen.
- Die Zahlen sind zu hoch, und das Buch widerspricht sich selbst. 12 Prozent und mehr für „sichere Anlagen“, für riskantere laut Peterreins sogar 20 bis 30 Prozent, dazu der Satz „Die Inflation unterstützt Sie sogar dabei“. Für den Faktor 150 rechnet dasselbe Buch dagegen mit 8 Prozent netto. Die sieben Jahre im Untertitel relativiert schon die eigene Einführung, und die FAZ spottete 2001 über die sieben Jahre: „Sieben Jahre Verzicht, und dann anfangen zu leben.“
- Einzeltipps altern schnell. In der Campus-Ausgabe empfahl Schäfer laut FAZ Philip Morris als „Qualitätsaktie“, laut dem Honorarberater Dr. Peterreins außerdem Branchenführer wie Deutsche Bank und Karstadt als „Königsweg“ und den aktiven Fonds Templeton Growth. Im März 2000 empfahl er in der Harald Schmidt Show eine Internetaktie, deren Firma später insolvent ging. 2002 sagte er dem Focus, er gebe keine Aktientipps mehr.
- Viele Zahlen lassen sich nicht nachprüfen. 99 Prozent der Erfolgreichen hätten einen Coach gehabt, 74 Prozent der deutschen Millionäre seien Unternehmer: An den Stellen, die wir im Volltext einsehen konnten, steht keine Quelle dazu. Bei den Verkaufszahlen bleibt die Werbung unklar. Die Bestellseite wirbt im September 2026 oben mit „Der deutschlandweite Bestseller mit über 3 Millionen verkauften Exemplaren“ und in der Autorenvorstellung mit „über 10 Millionen Mal verkauft“, beides für dasselbe Buch, ohne den Unterschied zu erklären. Unabhängige Zahlen gibt es nur bis 2002, damals meldeten Spiegel und Welt 2,5 Millionen, der Focus rund 3 Millionen weltweit.
- Buch und Seminargeschäft greifen ineinander. Das Buch nennt den Coach den wichtigsten Grundstein für Reichtum, und die Bodo Schäfer Akademie verkauft Coachings und Seminare. Die Akademie-Ausgabe des Geldbuchs von 2023 verweist im Text auf Seminarangebote hinten im Buch. Beim Kinderbuch fand bookoffinance.de 2022 in der Gratis-Ausgabe drei volle Werbeseiten mitten im Buch, dazu Werbung vor dem Vorwort, im Anhang und auf der Rückseite. In der Akademie-Ausgabe von 2013 steht mitten im Kapitel, in dem der Kinderclub einen Dachfonds wählt, der Satz „Wir übersenden Ihnen gerne Informationen zu guten Dachfonds“, dazu die Adresse der Reintgen & Schäfer Invest GmbH, unter derselben Anschrift wie Schäfers Akademie. Laut Handelsregister hieß die Firma bis 2006 Reintgen Portfolio Consulting GmbH und hatte unter anderem die Vermittlung von Kapitalanlagen zum Gegenstand. Wikipedia führt sie als gemeinsame Firma von Schäfer und Bernd Reintgen, deren Geschäft 2014 in die Akademie überging. Laut Handelsregister wurde sie 2020 gelöscht. Ob die heutige Gratis-Ausgabe den Hinweis noch enthält, haben wir nicht geprüft.
Nichts davon entwertet die Grundregeln. Ein Dauerauftrag am Monatsanfang spart auch dann, wenn die Rendite im Buch zu hoch ist, und ein Kind, das sein Taschengeld auf drei Gläser verteilt, lernt dabei etwas, egal wie viele Exemplare verkauft wurden.
Für wen sich das Buch lohnt, und für wen nicht
Dein Geld einfach verschwindet
Du hast kein Polster, vielleicht Konsumschulden, und noch nie einen Plan gemacht. Dann liefert das Buch die Reihenfolge: Glaubenssätze prüfen, Schulden abbauen und dabei schon das Gans-Konto füllen.
Du schon einen ETF-Sparplan hast
Dann kennst du das Prinzip, und die Anlagekapitel mit aktiven Fonds und 12 Prozent führen dich eher in die Irre. Das oft als Standardwerk bezeichnete Buch zur passiven Anlage, Gerd Kommers „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“, gibt es allerdings nicht gratis.
Das Kinderbuch
Wenn dir Finanzbücher zu trocken sind oder du Kinder hast. „Ein Hund namens Money“ erklärt dasselbe System in einem Bruchteil der Zeit, danach liest sich das Erwachsenenbuch fast wie eine Wiederholung.
Wer das Buch als Einstieg nutzt, sollte die Rahmenbedingungen von heute dazulesen: Sparer-Pauschbetrag, Teilfreistellung bei Aktien-ETFs und die Förderung, die ab 2027 mit dem Altersvorsorgedepot kommt. Die stehen naturgemäß in keinem Buch von 1998, dafür in unserem Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.
Wie du die Bücher bekommst, und was es mit dem PDF auf sich hat
Beide Bücher gibt es regulär bei dtv, das Geldbuch für 12 Euro, das Kinderbuch für 13 Euro, Stand September 2026. Für das Geldbuch gibt es eine kostenlose Leseprobe des Verlags mit Inhaltsverzeichnis und Einführung, für das Kinderbuch eine kurze Leseprobe der Bodo Schäfer Akademie mit den Anfangsseiten der ersten drei Kapitel. Das E-Book des Geldbuchs gibt es außerdem in der Onleihe zum Ausleihen, etwa im Verbund Metropolbib.
Die Druckausgaben beider Bücher verschickt Schäfers Akademie über eine eigene Gratis-Aktion, du übernimmst nur die Versandkosten. Beim Geldbuch kannst du im Bestellformular zurzeit ein E-Book als PDF und ein MP3-Hörbuch ohne Aufpreis dazunehmen, beim Kinderbuch nennt die Bestellseite E-Book und Hörbuch ohne Format. Die gedruckten Ausgaben bekommst du auch über unsere Buchseiten zu „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ und „Ein Hund namens Money“. Ein Abo ist laut Aktionsseite nicht dabei. Deine Adresse geht dabei an die Akademie, die neben Büchern auch Seminare und Coachings verkauft, und bestellst du über unsere Seite, bekommen wir wie oben erwähnt eine Provision.
Wer „Ein Hund namens Money PDF“ sucht, findet vollständige Kopien auf Upload-Plattformen. Ein Nutzungsrecht ist dort nirgends erkennbar, und eine frei herunterladbare PDF des ganzen Buches haben wir bei keinem Rechteinhaber gefunden. Leseprobe, Bibliothek oder die gedruckte Gratis-Ausgabe sind die sauberen Wege.
Fazit: Lohnt sich „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ 2026 noch?
Als Einstieg ja, als Anlageplan nein. Der Kern des Buches ist einfach, und genau dieser Teil funktioniert bis heute: zuerst dich selbst bezahlen, Konsumschulden meiden, Geld in Töpfe teilen, die Hälfte jeder Gehaltserhöhung sparen. Unsere Nachrechnung zeigt, dass Schäfers Grundrat seit 1999 aufgegangen ist, nur eben mit gut 9 statt 12 Prozent im Sparplan, dank einer günstigen Reihenfolge der Börsenjahre, und mit Durststrecken, die in den glatten Zinseszinstabellen des Buches nicht vorkommen.
Lies die Kapitel 5, 6, 8 und 12 gründlich, die Zinseszinstabellen mit Abstand, und rechne deinen Plan mit vorsichtigen Zahlen. Wenn du bei null anfängst oder Kinder hast, nimm zuerst „Ein Hund namens Money“.
Mehr Bücher zu diesen Themen findest du in den Kategorien Finanzen, Mindset und Erfolg. Wie andere es vom Angestelltengehalt zum Vermögen geschafft haben, zeigt unser Beitrag Vom Arbeiter zum Millionär.
Quellen
- Bodo Schäfer, Der Weg zur finanziellen Freiheit, dtv 34000, Aktualisierte Neuausgabe 2003, Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis und Einführung. beckassets.blob.core.windows.net
- Bodo Schäfer, Der Weg zur finanziellen Freiheit. Ihre erste Million in 7 Jahren, E-Book der BS Akademie 2023, Volltextsuche bei Google Books. books.google.de
- Deutsche Nationalbibliothek, Inhaltsverzeichnis der dtv-Ausgabe 2003 (Scan). d-nb.info
- Deutsche Nationalbibliothek, Inhaltsverzeichnis der Weltbild-Lizenzausgabe 2001 (Scan). d-nb.info
- Bodo Schäfer, Ein Hund namens Money, 10. Auflage, Bodo Schäfer Akademie, Bergisch Gladbach 2013 (ISBN 978-3-936135-49-7). Zitate S. 80, 93, 176 und 193, Werbehinweis auf die Reintgen & Schäfer Invest GmbH S. 181.
- Wikipedia, Artikel „Der Weg zur finanziellen Freiheit“, mit Rezeption und Auflagen. de.wikipedia.org
- Handelsregister Amtsgericht Köln HRB 47303, Reintgen & Schäfer Invest GmbH (vormals Reintgen Portfolio Consulting GmbH), Registerbekanntmachungen über North Data. northdata.de
- Wikipedia, Artikel „Bodo Schäfer“, mit Firmengeschichte (Reintgen & Schäfer invest GmbH) und Harald Schmidt Show. de.wikipedia.org
- FOCUS 37/1999, „Wirtschafts-Bestseller August 99“, 13. September 1999, archiviert. web.archive.org
- Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch 36/2000 vom 4. September 2000, archiviert im Internet Archive. web.archive.org
- Der Spiegel 51/2002, „Die Menschentrainer“, mit Auflage und Übersetzungen. spiegel.de
- Die Welt, 30. November 2002, „Bodo Schäfer: Mit Links und Spaß zum kleinen Vermögen“. welt.de
- FAZ, 3. Juli 2000, „Kinder, fragt den reichen Onkel Bodo“, Sammelrezension, archiviert. web.archive.org
- FAZ, 16. Februar 2001, Rezension „Wie vervielfachen Sie Ihr Bestes“, archiviert. web.archive.org
- FOCUS 34/2002, Interview „Krise? Einfach mehr verdienen!“, mit Verkaufszahl und Aussage zu Aktientipps, archiviert. web.archive.org
- Dr. Peterreins, Rezension „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ mit Seitenangaben, September 2009. dr-peterreins.de
- Alexander Weis und Gerd Kommer, „Finanzielle Freiheit“, ein Schlagwort mit zu vielen Fragezeichen, 31. Mai 2018. gerd-kommer.de
- MSCI, MSCI World Index (EUR), Factsheet und Monatsdaten. msci.com
- Deutsches Aktieninstitut, DAX-Rendite-Dreieck, 50 Jahre, Stand 31.12.2025. dai.de
- Destatis, Median des Nettoäquivalenzeinkommens 2025 (EU-SILC). destatis.de
- Europäische Zentralbank, MFI-Zinsstatistik Deutschland, Juli 2026: neue Einlagen privater Haushalte bis ein Jahr. data-api.ecb.europa.eu
- Europäische Zentralbank, MFI-Zinsstatistik Deutschland, Juli 2026: Überziehungskredite privater Haushalte. data-api.ecb.europa.eu
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- dtv, Produktseite „Ein Hund namens Money“, Taschenbuch 2019. dtv.de
- bookoffinance.de, Rezension der Akademie-Gratisausgabe von „Ein Hund namens Money“, 7. Dezember 2022. bookoffinance.de
- Bodo Schäfer Akademie, Leseprobe „Ein Hund namens Money“, Anfangsseiten der Kapitel 1 bis 3 (6 Seiten). bodoschaefer-akademie.de